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Fahrzeuge – Vom Prototyp bis zur modernen Schwebebahn

Die Wuppertaler Schwebebahn war auch bei der Entwicklung des Wagenparks stets innovativer Vorreiter. So erfolgte die Konstruktion der Fahrzeuge erstmals aus Ganzstahl. Auch die Motoren waren zum damaligen Zeitpunkt einzigartig. Der Dauerbetrieb der Bahn führte im Laufe der Zeit immer wieder zu Veränderungen und Verbesserungen – in technischer wie auch in betrieblicher Hinsicht.

Energieeffizient und neues Design: Die Generation 15

Am 14. November 2015 wurde die erste Schwebebahn 01 der neuen Generation vor 5.000 Zuschauern vorgestellt. Dem Vorausgegangen war eine Neuentwicklung des Designs seit 2010 und ein Ausschreibungsprozess für Fahrzeughersteller aus ganz Europa für 31 neue Fahrzeuge. Mit der Generation 15 betritt die traditionelle Schwebebahn völlig neues Terrain: Technisch setzten die Konstrukteure der neuen Fahrzeuggeneration auf Energieeffizienz und ein Höchstmaß an Sicherheit. Durch den Einsatz von Drehstrom-Asynchronmotoren nutzt man erstmals die Möglichkeit der Energierückgewinnung beim Bremsvorgang. Die Betriebsspannung wurde von 600 auf 750 Volt angehoben. In Punkto Sicherheit wurde ein gänzlich neues Zugsicherungssystem ETCS verbaut. Um in Zukunft die minimale Taktzeit von drei Minuten auf zwei Minuten verkürzen zu können, erhöhte man die Höchstgeschwindigkeit auf 65 km/h. Limitierender Faktor sind jetzt nicht mehr die Bahnen, sondern die zugelassene Geschwindigkeit auf der Strecke von 60 km/h. Nicht nur technisch wurde die Schwebebahn deutlich verändert. Die Farbgebung im Inneren der Züge wurde ebenfalls modernisiert. Während die Sitzaufteilung des Fahrgastraums gleichgeblieben ist, setzt man in der Farbgebung auf mehr Abwechslung. Hierfür wurden drei verschiedene Farbvarianten in grün, rot und gelb entwickelt. Boden und Sitzpolster setzen die Farbakzente während die Seitenwände in Weiß und die Haltestangen in grau eher dezent gestaltet sind. Im März 2017 wurde die neue Wagengeneration in die Riege der „exzellenten Design-Produkte 2017“ aufgenommen.


Neue Züge ab 2015

Im November 2011 hat die WSW mobil bekannt gegeben, dass sie ab 2015 vom Hersteller Vossloh Kiepe 31 neue Fahrzeuge beziehen wird. Die neuen Wagen sind optisch moderner und bieten verbesserten Fahrgastkomfort. So sind die Sitze erstmals gepolstert und der Gang in der Fahrzeugmitte ist breiter. Ebenfalls neu ist der sogenannte Multifunktionsbereich an beiden Fahrzeugenden. Er bietet mehr Raum für Kinderwagen oder Rollstühle. Insgesamt gibt es in den neuen Wagen 45 Sitz- und 96 Stehplätze. Speziell für Rollstuhlfahrer wird es an der Tür hinter dem Fahrer eine Rampe zum leichten Einstieg geben. Neu entwickelte Elektromotoren treiben die Bahnen an und das Wageninnere wird mit LED-Beleuchtung, Klimaanlage und Informationsdisplays ausgestattet sein. Alle Fahrzeuge verfügen über eine Bremskraftrückgewinnung. Um kürzere Taktzeiten zu erreichen, wird die Motorisierung erhöht. Leisten die vier längsliegenden Gleichstrom-Motoren der derzeitigen Modelle je 50 Kilowatt, sind es künftig vier längsliegende Drehstromasynchronmotoren mit 60 Kilowatt Leistung. Sie könnten die Wagen auf bis zu 65 km/h bringen. Allerdings wird diese Kraft nur für die Beschleunigung gebraucht – mehr als 60 km/h sind bei der Schwebebahn nicht zugelassen.


Die Baureihe 1972

Die heutigen Wagen stammen aus der Baureihe 1972 Bauart GTW 72. Von den ursprünglich 28 gelieferten dreiteiligen Triebwagen aus den Jahren 1972 bis 1975 sind derzeit noch 25 Wagen einsatzbereit. Wagen 4 wurde nach einem Unfall 1999 verschrottet, Wagen 19 und 21 wurden im Juni und Juli 2012 wegen ihres Allgemeinzustands vorzeitig stillgelegt. Der beim Unfall im Jahre 2008 beschädigte Wagen 24 wurde instand gesetzt und ist seit Dezember 2009 wieder in Betrieb.


Blauer Enzian - 1962

1962 standen die Zeichen auf „neu“ in Wuppertal. Der Fuhrpark aus teilweise über 50 Jahre alten Fahrzeugen war stark veraltet und wurde immer störanfälliger. Da man seit 1956 gute Erfahrungen mit den Gelenktriebwagen im Straßenbahnverkehr gemacht hatte, sollte auch für die schwebenden Fahrzeuge Gelenkzüge angeschafft werden. Besondere Herausforderung für die Konstrukteure: Der geringe Krümmungshalbmesser der Endkehren in Vohwinkel und Oberbarmen. So wurden die Wagen 65 und 66 der Baureihe 1950 in der Schwebebahnwerkstatt Vohwinkel testhalber zum ersten Gelenktriebwagen der Wuppertaler Schwebebahn umgebaut. Um die geringen Krümmungen fahren zu können, wurden die Schwebebahnen mit zwei Gelenken und einem Mittelteil konstruiert. Im Dezember 1962 hatte der fertig gestellte Gelenktriebwagen seinen ersten öffentlichen Auftritt. Um effektvoll die neue Bahn in Szene zu setzen, wurde diese Blau lackiert. Unter Wuppertalern sprach man liebevoll vom „Blauer Enzian“.


Die Baureihe 1950

Nachdem Wuppertal endlich die schlimmen Jahre des 2. Weltkrieges hinter sich lassen konnte, wurde 1950 die immer wieder vertagte Anschaffung von neuen Fahrzeugen in Auftrag gegeben. Die ursprüngliche Bestellung von 60 neuen Bahnen hatte sich seit 1941 verzögert und auch jetzt konnten zunächst nur 20 Wagen angeschafft werden. Eine Ausmusterung der bisherigen Schwebebahnen war also immer noch nicht möglich. Bei der neuen Baureihe gab es keine Haupt- und Nebenwagen mehr, der durchgängige Einzelwagen bot drei automatische Schiebetüren zum Einstieg. Die 20 gelieferten Einzelwagen schloss man zu zehn Zügen zusammen. Die neue Konstruktion ermöglichte es, das Wagenleergewicht um nahezu 2,5 Tonnen zu senken. Ein echter Gewinn – denn jetzt konnten ein Fahrzeug bis zu 80 Personen aufnehmen. Erstmals erhielten die Fahrer in dieser Bahnkonstruktion einen Sitzplatz. Da der erste und zweite Wagen nicht miteinander verbunden waren fuhr neben dem Fahrer immer auch ein Zugbegleiter mit. Die Fahrzeuge hielten allerdings im Vergleich zu ihren Vorgängern eine deutlich kürzere Zeitspanne. Wirtschaftsbedingt hatte man wenig hochwertige Materialien genutzt, sodass in den 1970er Jahren die 20 Wagen vollständig ausgemustert werden mussten.


Die Baureihe 1900

Diese Fahrzeuge bestanden aus Haupt- und Nebenwagen. Bei der Betriebseröffnung am 1. März 1901 existierten insgesamt 26 Fahrzeuge, davon 21 Haupt- und fünf Nebenwagen. Bereits ab 1902 wurde nur noch das hintere Rad eines jeden Fahrgestells angetrieben. Die Kraftübertragung erfolgte mittels Doppelkegelrad auf jeweils ein Rad. Alle Wagen erhielten eine Hauptwagenausrüstung mit leichten Walzenfahrschaltern und neu entwickelten Fahrgestellen. Die Motoren lagen auf den Wagendächern. Den Fahrstrom erhielten sie über Stromabnehmer. Während anfangs noch Ein- und Zweiwagenfahrten stattfanden, entschied man sich 1912, auch in verkehrsschwachen Zeiten ausschließlich Zweiwagenzüge fahren zu lassen. Das Gewicht betrug jeweils 13 Tonnen, eine Federung war nicht vorhanden. Die Wagen besaßen je zwei Türen und fassten jeweils 65 Personen. Jeder Zug konnte somit 130 Personen transportieren. Natürlich machte die Schwebebahn auch vor Rationalisierungen nicht halt. Ab 1964 fuhr der hintere Wagen erstmals „schaffnerlos“. Die Züge der Baureihe 1900 wurden zwischen 1973 und 1975 ausgemustert und verkauft.


Der „Kaiserwagen“

Ein Fahrzeug der Baureihe 1900 blieb bis heute erhalten. Es wird als „Kaiserwagen“ für Ausflugsfahrten verwendet und kann gemietet werden. Dieses Fahrzeug erhielt seinen Namen, nachdem Kaiser Wilhelm II. mit seiner Gemahlin Auguste Viktoria und seinem Gefolge am 24. Oktober 1900 damit von Döppersberg bis Vohwinkel gefahren war.


Die Prototypen 1898

Die beiden Probewagen I und II wurden im September 1898 aufgegleist. Die erste Teststrecke in Sonnborn war 440 m lang und gestattete Versuchsfahrten mit einer Höchstgeschwindigkeit von 16 km/h.